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Es lag ein einnehmender Geruch von Harz, schweren Samtvorhängen, Make-Up und Schweiß in der Luft und charakterisierte unverkennbar das Theater in seiner spielfreien Zeit. Die Schauspieler, Tänzer und Sänger schwirrten umher wie fleißige Bienchen, bemalten die Kulissen und trieben Schabernack mit den teuren Farben, um lauthals über ihre Ferkeleien zu lachen. Die Lichter waren gedämmt und hüllten die Bühne in ein fantasievolles Zwielicht, aus dem Fabelwesen und Märchengestalten entsprangen. Für einen Frei- und Schöngeist wie es Anna einer war, war es schier unmöglich diesen Ort nicht zu lieben. Sie verbrachte Tage und Nächte auf der Bühne und hinter der Kulisse. Das Ensemble war ihr ihre Familie, die ihr den Rücken freihielt, ihr an schweren Tagen Trost spendete und sie in unerreichbare, ferne Welten empor hob. Es war eine schöne Welt, in die sich die gebürtige Sankt Petersburgerin flüchtete und der sie ihren Erfolg am russischen Staatstheater verdankte. Die Dunkelhaarige mit dem sommersprossigen Gesicht war beliebt, keine Frage. Sowohl auf der Bühne, als auch außerhalb. Ein pflegeleichter Gast, der offenherzig, unbekümmert und frei von Scheu die Moskauer Gesellschaft unterhalten konnte. Der Prunk der Herrenhäuser und Bälle befriedigte den Schöngeist der jungen Schauspielerin, die Anwesenheit gewisser Herrschaften ihren Freigeist. In einem fremden Bett aufzuwachen, mit dem Blick auf einen starken, männlichen Rücken versetzte die Dunkelhaarige weitaus mehr in Verzückung, als das Bemalen von Tischchen oder das Stärken der Kragen des Angetrauten. Auf der Bühne widmete sich das falsche Liebespaar seinem Lieblingsspiel. Kaum das die ersten Takte der Auftrittsmusik ertönten, fühlte sich die Arkadjewna erleichtert, fortgespült und jeder Verantwortung enthoben. Er hob sie hoch in die Lüfte, mit Leichtigkeit und scheinbar hoch bis zur Decke. Dann küsste er sie auf die Wangen, auf ihr Kinn, die Ohren und den Mund während sie sich gerade so viel stäubte, dass er gezwungen war seine Manneskraft zu zeigen. Schließlich geht der Kampf zu seinem Gunsten zu Ende. Er schaukelte die Liebende auf seinen Arm. Den Kopf nach hinten, die nackten Füße in der Luft, bis sie um Hilfe schreit. Der Hund der Näherin stürzte herbei, um die Frau in Nöten zu verteidigen und das vergnüglich, raue Spiel ging in viel Gebell, Geschrei und Gelächter unter. Sich Albernheiten hinzugeben gehörte bei diesem Ensemble zur Tagesordnung. Michail, der Regisseur lachte und klatschte in die Hände. Ein angenehmer, fröhlicher Kamerad, der ebenso wenig Wert darauf legte geistreich zu erscheinen, wie dass seine Krawatte richtig saß. Doch einen Moment verlor sich der Künstler in seiner Welt, als ihm sein kleiner Assistent etwas ins Ohr flüsterte. Mit schief sitzender Brille huschten beide Männer in die Schatten des Saals und waren verschwunden. Anna, die Schauspielerin, trat in ihre Garderobe. Ein Blick in den Spiegel ließ ihre eitle Seite zum Vorschein kommen. Das sonst vor Jugendlichkeit und Vitalität strotzende Gesicht war mit einer Schicht malvenfarbener Schminke bedeckt. Die Augen waren von einem blauen, glänzenden Schatten umgeben. “Wie kalt es hier ist!“ Die Hände aneinander reibend wusch sich der Freigeist sein Gesicht im kalten Wasser ab, bis es von der Schminke eine milchig weiße Farbe annahm. Ein erneuter Blick in den Spiegel stellte sie zufrieden. Auf ihren hohen Wangen lag nun eine raue Röte und von der rissigen Schminke war kaum noch etwas zu sehen. Sich das Gesicht abtrocknend setzte sich Anna auf einen Holzstuhl und atmete tief durch die feine Nase ein. Zu ihrer Seite stand ein Nelkensträußchen, die jedoch bereits ihre Köpfchen hängen ließen. Sie waren mittlerweile bleich, auch wenn die Blumenverkäuferin sie ein eine karmesinrote Flüssigkeit tauchte, um ihnen etwas Farbe zu verleihen. Neben den Blumen lag ein Briefchen. Fein säuberlich gefaltet und mit einer ordentlichen Handschrift adressiert. Ein Loblied auf ihr Talent. “Liebste, Du brauchst das Varieté nicht mehr! Jetzt bin ich da“! Anna legte den Kopf in den Nacken und schloss die Augen. Sie kannte den jungen Mann, der sie aus den Fängen des Theaters befreien wollte, saß er regelmäßig mit einem Sträußchen Nelken in der ersten Reihe . Das lange dunkle Haar fiel sachte über die Stuhllehne und wippte mit jedem Atemzug, den die Arkadjewna tat. Ein Klopfen an ihrer Garderobentür rief die junge Frau zurück ins Leben und noch ehe sie reagieren konnte, wurde schon die Tür geöffnet. Ein junges Ding öffnete mit hochrotem Kopf die Tür. Vorsichtig, und nur einen Spalt breit. “Monsieur Charkow ist hier. Er und Michail erwarten die Mademoiselle „Das Mädchen sprach mit einem angestrengten französischen Akzent, und huschte gleich wieder zur Tür hinaus. Anna biss sich auf ihre Unterlippe. Jetzt nannte ihr Stubenmädchen den Gast und Finanzier zärtlich „Monsieur“. Ein Seufzer drang aus der Kehle der jungen Schauspielerin, die ihr Spiegelbild kritisch musterte und ihre Toilette prüfte. Sich die Nase pudernd, die gewöhnlichen Kleider glatt streichend und das lockige Haar zurecht legend huschte die Arkadjewna mit klopfenden Herzen durch die Garderobe zurück auf die Bühne. Große Schritte brachten die Schauspielerin zurück auf die hell erleuchtete Bühne, auf der weiterhin reges Treiben herrschte. Im ersten Augenblick blendete sie das Licht zu sehr, um in den Saal sehen oder um jemand erkennen zu können, doch es brauchte nicht lange, da machte Michail mit mehr oder minder dezenten Gesten auf sich aufmerksam. Dann erkannte Anna endlich auch den Herren an seiner Seite und es fiel ihr wie Schuppen von den Augen. Dass ihr Stubenmädchen mit Monsieur Charkow niemand anderes als Alexej JEGOREWITSCH Charkow im Sinn hatte kam der Schöngeist nicht in den Sinn. Das naive Mädchen hatte die Schauspielerin mit ihrer Verwechslung völlig durcheinander gebracht. Anna kannte den Mann zwar, jedoch nur sehr flüchtig, jedoch erinnerte sie sich in diesem ersten Augenblick nur noch daran, wie sie bei dem Ein oder anderem Zusammentreffen in Ekstase geraten war. Mit großen Schritten trat sie an die zwei Herren heran. Michail hatte bereits ein breites Grinsen auf den Lippen während der Stolz in seinen großen Augen funkelte. Eine ausladende Geste - die selbst ein Blinder noch bemerken würde – machte auf die Ankunft seiner Muse und erfolgreichsten Schauspielerin aufmerksam. “Darf ich vorstellen: Anna Arkadjewna Ljewin!“Seine Hand an ihren Rücken lehnend schob Michail Anna mit sanften Druck in Richtung des Politikers. Die Dunkelhaarige ließ sich führen und nickte dem Politiker mit leicht hochgezogenen Augenbrauen zu. Der Blick ihrer blitzenden grauen Augen, die unter den dichten Wimpern dunkel schienen, ruhte warm und aufmerksam auf ihm, als sähe sie in ihm einen Bekannten. In ihren Zügen lag ein mühsam verhaltenes und lebhaftes Temperament das sich in dem Zucken ihrer gebogenen Lippen widerspiegelte. Michail stelle Alexej sogleich Anna vor, womit die Floskeln des scheinbar ersten Zusammentreffens abgehackt werden konnten. “Bezaubernd, nicht wahr?“nuschelte der Direktor in seinen kleinen Bart, als wolle er die Arkadjewna verkaufen, wie ein rassiges Pferd. Die Arkadjewna warf dem Direktor einen amüsierten Blick zu während sie nochmals und in aller gebotenen Förmlichkeit den Politiker ihr gegenüber mit einem freudig erregten Lächeln grüßte. Dieser Besuch war äußerst unerwartet und Anna hätte sich eine Vorwarnung gewünscht.“Was verschafft uns diese Ehre?“fragte sie stattdessen mädchenhaft beschwingt mit einer frischen Lebendigkeit und Neugierde im Gesicht.
auld.lang.syne am 27.7.15 22:00


Die unbestreitbare Tatsache, dass soeben der sehr vorteilhafte Nebeneffekt seines Tuns in Kraft trat, überflügelte in diesem Moment die reine Willkür jener Idee, sich der Herzen der Moskauer zu nähern, indem er ihnen Brot und Spiele gab. Politik selbst war beinahe ein Theaterspiel. Da gab es die Hauptbesetzung, die Nebendarsteller, Leute, die hinter der Bühne arbeiteten und von dort aus die Fäden zogen sowie der Ersatz auf der zweiten Bank – ein Vergleich, der ihm schon sehr früh in seiner Karriere gekommen war und es gab kaum einen Ort nebst seines Schreibtisches und des Politikzimmers des Zaren an welchem er lieber wäre, als in einem Theater. Die verschiedensten Musen lagen seither der Familie Charkow anheim, oder besser gesagt der Familie seiner Mutter, die Kolesnichenkows, denn wohingegen sein Vater das sportliche Vergnügen der Jagd stets einem anderen Vergnügen vorzog, sofern es nicht gerade seine Ehefrau betraf, so war es immer Sofina und deren Mutter, seine Großmutter also, gewesen, die den Kindern den Sinn des Schönen nahegelegt hatten. Gerade an ihren Söhnen war ihr gelegen, dass sie Schönheit nicht nur im Betrachten einer gefälligen Frau erkannten, sondern diese auch in der Natur, der Kunst, der Musik und der Dichtung suchten und fanden. Schließlich lag die Grausamkeit dieser Welt in den Händen der Sachlichkeit – Tod, Krieg und schlimme Ereignisse mochten so viel besser erscheinen, wenn man sie nur anders sehen könnte. Anastasia schien diesen Gedankengang verstanden zu haben, Dimitri tat immerhin so als ob (obgleich er die Lektion, das andere Geschlecht sei nicht nur seines Antlitzes wegen begehrenswert, stets in dessen Dekolleté oder unter dessen Röcken zu suchen schien) und Alexej gab sich wahrhaftig Mühe, seine Prinzipien und Taten in eine angenehme Richtung schwenken zu lassen, sofern sie ihm nützlich waren. Für ihn war das Leben nun einmal keine poetische Welt und er vermochte es dagegenhaltend recht vortrefflich, die genannte Sachlichkeit für sich zu gewinnen und arbeiten zu lassen, weil es genau diese Karte war, welche auszuspielen er gelernt hatte. Deswegen wäre seine Mutter auch niemals in der Politik glücklich gewesen. Auch sein Vater nicht, der zwar hervorragend prahlen und organisieren konnte, ansonsten aber recht wenig zu verbergen hatte – einfach aus dem Grund, weil er es nicht konnte. Er schaffte es ja nicht einmal, das Naschen einer Sahnetorte einem anderen in die Schuhe zu schieben. Alexejs Laune, die, vergraben unter sehr viel Tüll, Pomade und Puder, mit jeder halben Stunde kontinuierlich schlechter geworden war, besserte sich. Der Regisseur sprach in der Zeit des Verweilens ein paar flüchtige Worte des Smalltalks, auf welche der Politiker nicht näher einging, denn gleichwohl er zuhörte, blieb er bar jedweder Antwort. Das Wetter war recht angenehm, sicher, und der neue Samtvorhang machte sich ganz prächtig auf der Hauptbühne. Sein Interesse aber galt einer vollkommen anderen Wichtigkeit: die Dame, die zu holen man veranlasst hatte. Noch immer verspürte er den sanften Nachdruck ihrer rosigen Lippen auf den seinen, roch das Parfum, welches sie an diesem einen Abend getragen hatte … und sein Mund, der auf ihrer weichen Haut gelesen hatte, erfahren, neugierig. Eine spontane Verheißung, eine glühende Kurzweil sehnsüchtiger Augenblicke. Kurzum, das Dinner bei den Druchenkows hatte sich mit einem gänzlich unerwarteten Ausgang gerühmt, mit dem keiner hatte rechnen können. Und nun, da er sehr vertraut war mit der Garderobe der Druchenkows und er um sämtliche Mäntel und neuesten modischen Errungenschaften Galina Sergejewnas wusste, schließlich hatte er darauf gelegen, musste er sich fragen, wie es ihr seither ergangen war. Sie, die Arkadjewna, ein strahlender Stern am Firmament des russischen Himmels – der schwarze Schwan nebst des kaiserlichen, doppelköpfigen Adlers. Er war nicht verliebt. Alexej war seit jener Lappalie in seiner Jugend von jedweder Gefühlsduseligkeit frei und wies die Meinung, Amor könne jedes Herz erweichen, weit von sich. Amor war ein Freund von jungen Ungestümen und naiven Alten. Die Frauen in seinem Leben kamen und gingen, manche verweilten sogar für einige Augenblicke, schafften es aber nicht ihn an sich zu binden und gleiches galt für ihn, was jedoch darin zu begründen war, dass er es seither nicht mehr versucht hatte. Der lästige Umstand, der ihn überhaupt nach Moskau geführt und ihm teilweise deshalb die Stadt so unerfreulich gemacht hatte, nahm jedoch zum Anlass, dass er etwas daran änderte. Sie hatten sich seither nicht gesehen, geschweige denn miteinander geschrieben. Er hatte, um ehrlich zu sein, nicht die leiseste Anstrengung unternommen, sich um ihre Privatadresse zu bemühen, ihr eventuell seine Karte aushändigen zu lassen, sie um ein weiteres Treffen zu bitten. Da dies allerdings auch auf ihr selbiges Handeln zutraf, fühlte er sich dazu genötigt, eine gewisse Faszination zu verspüren. Sie war eine Diva und darüber musste er lächeln. Als sie sich näherte und er neben sich hörte, wie Michail verhalten die Luft scharf einzog, gerade so, als dürfe er nun eines dieser berühmten Kunstwerke aus der Nähe betrachten, erhob sich auch Alexej vom bequemen Theatersitz und wandte sich langsam in jene Richtung, in welche der andere gespannt blickte. Die großen Schritte, die sie tat, sprachen von ihrem außerordentlichen Selbstbewusstsein und selbst wenn sie nicht mit ihrem Gesicht gesegnet gewesen wäre, so hätte allein dieser Effekt schon ausgereicht, um sämtliche Blicke auf sich zu ziehen – wo sie auftauchte, loderte das Feuer. Die Geschichten, die man sich über sie erzählte, kannte er, zog es aber vor sie nicht weiter zur Kenntnis zu nehmen, sondern sich ein eigenes Bild zu machen, immerhin war er nun in bester Lage dazu. Denn wenn sie die Hauptrolle haben wollte, so musste dies erst durch ihn genehmigt werden; und er hatte nicht vor, dieser Gelegenheit allzu schnell Raum zu geben, oh, nicht doch. „Madame“, entgegnete er höflich, der tiefe Timbre seiner angenehmen Stimme verließ den satten Kehlenklang seiner und indes er die linke Hand auf seinen Rücken legte, neigte er den Kopf zu einer angemessenen Begrüßung, die nicht darin gipfelte, dass er ihr den Handkuss abnahm – sie bot ihm diese weder dar, noch war sie von solcherlei Stand. Es war dieselbe Begrüßung, die er ihr bereits beim Dinner angetragen hatte, doch es schien gerade eher unpassend zu sein, zu erwähnen, dass sie sich durchaus schon kannten und sie schien denselben Gedankengang zu hegen, weshalb er lediglich mitzuspielen brauchte, während der Regisseur seine Grande Dame anpries. Der Gedanke, dass diese Art der Behandlung auch Anastasia gelten mochte oder konnte, ärgerte ihn, aber das sollte nun nicht zum Thema stehen und er verwarf den unliebsamen Groll. Der Arkadjewna stattdessen direkt in die Augen sehend, war es wiederum ihr eigenes Antlitz, welches zu sehen sie in der Lage sein würde, denn sein Focus war dunkel, warm oder dräuend, je nachdem in welcher Situation man sich gerade befand – man mochte in diesem sehen, was man sehen wollte, niemals aber das, was es tatsächlich auf sich hatte; Alexej Charkow hütete sein Leben und sein Innerstes wie ein Buch mit sieben Siegeln, nichts drang nach außen, seine Fassade war glatt, spiegelnd, imposant, dunkel; starb er, starben sämtliche Geheimnisse mit ihm. Auf ihre Frage hin bekam sie gleich zwei Antworten: „Die Arbeit“, war zum einen die knappe, lapidare des Dunkelhaarigen gewesen und zum anderen mischte sich Michail mit ein, der Anlass dazu sah nähere Ausführungen zu erläutern, vermutlich dem treuen Pflichtbewusstsein erlegen seiend, den kostbaren Sponsor stets über den grünen Klee zu loben: „ … er finanziert das nächste Stück, Liebes, Alexej Jegorewitsch hat sich dazu bereit erklärt eine beträchtliche Summe für das Theater aufzubringen“, der Satz endete mit einem Lächeln, wohingegen der Betroffene nichts dergleichen aufwies. Nicht, dass er stets ein gewisses Desinteresse vorschob, er war nur einfach nicht der Typ Mensch, der mit übermäßiger Mimik hausieren ging – sein Gebaren war zielgerichtet, präzise und effektiv, Tand und Schnickschnack standen ihm nur kaum zu Gesicht. „Und Sie, haben Sie sich bereits mit dem Stück beschäftigt?“, fragte er direkt an die Schauspielerin gewandt, ganz der Financier seiend, der vor den Augen der anderen nicht mehr und nicht minder tat, als die Leistung derjenigen zu begutachten, die von seinem Geld profitieren sollten.
auld.lang.syne am 27.7.15 21:58


Es lag ein einnehmender Geruch von Harz, schweren Samtvorhängen, Make-Up und Schweiß in der Luft und charakterisierte unverkennbar das Theater in seiner spielfreien Zeit. Die Schauspieler, Tänzer und Sänger schwirrten umher wie fleißige Bienchen, bemalten die Kulissen und trieben Schabernack mit den teuren Farben, um lauthals über ihre Ferkeleien zu lachen. Die Lichter waren gedämmt und hüllten die Bühne in ein fantasievolles Zwielicht, aus dem Fabelwesen und Märchengestalten entsprangen. Für einen Frei- und Schöngeist wie es Anna einer war, war es schier unmöglich diesen Ort nicht zu lieben. Sie verbrachte Tage und Nächte auf der Bühne und hinter der Kulisse. Das Ensemble war ihr ihre Familie, die ihr den Rücken freihielt, ihr an schweren Tagen Trost spendete und sie in unerreichbare, ferne Welten empor hob. Es war eine schöne Welt, in die sich die gebürtige Sankt Petersburgerin flüchtete und der sie ihren Erfolg am russischen Staatstheater verdankte. Die Dunkelhaarige mit dem sommersprossigen Gesicht war beliebt, keine Frage. Sowohl auf der Bühne, als auch außerhalb. Ein pflegeleichter Gast, der offenherzig, unbekümmert und frei von Scheu die Moskauer Gesellschaft unterhalten konnte. Der Prunk der Herrenhäuser und Bälle befriedigte den Schöngeist der jungen Schauspielerin, die Anwesenheit gewisser Herrschaften ihren Freigeist. In einem fremden Bett aufzuwachen, mit dem Blick auf einen starken, männlichen Rücken versetzte die Dunkelhaarige weitaus mehr in Verzückung, als das Bemalen von Tischchen oder das Stärken der Kragen des Angetrauten.  Auf der Bühne widmete sich das falsche Liebespaar seinem Lieblingsspiel. Kaum das die ersten Takte der Auftrittsmusik ertönten, fühlte sich die Arkadjewna erleichtert, fortgespült und jeder Verantwortung enthoben. Er hob sie hoch in die Lüfte, mit Leichtigkeit und scheinbar hoch bis zur Decke. Dann küsste er sie auf die Wangen, auf ihr Kinn, die Ohren und den Mund während sie sich gerade so viel stäubte, dass er gezwungen war seine Manneskraft zu zeigen. Schließlich geht der Kampf zu seinem Gunsten zu Ende. Er schaukelte die Liebende auf seinen Arm. Den Kopf nach hinten, die nackten Füße in der Luft, bis sie um Hilfe schreit. Der Hund der Näherin stürzte herbei, um die Frau in Nöten zu verteidigen und das vergnüglich, raue Spiel ging in viel Gebell, Geschrei und Gelächter unter. Sich Albernheiten hinzugeben gehörte bei diesem Ensemble zur Tagesordnung. Michail, der Regisseur lachte und klatschte in die Hände. Ein angenehmer, fröhlicher Kamerad, der ebenso wenig Wert darauf legte geistreich zu erscheinen, wie dass seine Krawatte richtig saß. Doch einen Moment verlor sich der Künstler in seiner Welt, als ihm sein kleiner Assistent etwas ins Ohr flüsterte. Mit schief sitzender Brille huschten beide Männer in die Schatten des Saals und waren verschwunden. Anna, die Schauspielerin, trat in ihre Garderobe. Ein Blick in den Spiegel ließ ihre eitle Seite zum Vorschein kommen. Das sonst vor Jugendlichkeit und Vitalität strotzende Gesicht war mit einer Schicht malvenfarbener Schminke bedeckt. Die Augen waren von einem blauen, glänzenden Schatten umgeben. “Wie kalt es hier ist!“ Die Hände aneinander reibend wusch sich der Freigeist sein Gesicht im kalten Wasser ab, bis es von der Schminke eine milchig weiße Farbe annahm. Ein erneuter Blick in den Spiegel stellte sie zufrieden. Auf ihren hohen Wangen lag nun eine raue Röte und von der rissigen Schminke war kaum noch etwas zu sehen. Sich das Gesicht abtrocknend setzte sich Anna auf einen Holzstuhl und atmete tief durch die feine Nase ein. Zu ihrer Seite stand ein Nelkensträußchen, die jedoch bereits ihre Köpfchen hängen ließen. Sie waren mittlerweile bleich, auch wenn die Blumenverkäuferin sie ein eine karmesinrote Flüssigkeit tauchte, um ihnen etwas Farbe zu verleihen. Neben den Blumen lag ein Briefchen. Fein säuberlich gefaltet und mit einer ordentlichen Handschrift adressiert. Ein Loblied auf ihr Talent. “Liebste, Du brauchst das Varieté nicht mehr! Jetzt bin ich da“! Anna legte den Kopf in den Nacken und schloss die Augen. Sie kannte den jungen Mann, der sie aus den Fängen des Theaters befreien wollte, saß er regelmäßig mit einem Sträußchen Nelken in der ersten Reihe . Das lange dunkle Haar fiel sachte über die Stuhllehne und wippte mit jedem Atemzug, den die Arkadjewna tat. Ein Klopfen an ihrer Garderobentür rief die junge Frau zurück ins Leben und noch ehe sie reagieren konnte, wurde schon die Tür geöffnet. Ein junges Ding öffnete mit hochrotem Kopf die Tür. Vorsichtig, und nur einen Spalt breit. “Monsieur Charkow ist hier. Er und Michail erwarten die Mademoiselle „Das Mädchen sprach mit einem angestrengten französischen Akzent, und huschte gleich wieder zur Tür hinaus. Anna biss sich auf ihre Unterlippe. Jetzt nannte ihr Stubenmädchen den Gast und Finanzier zärtlich „Monsieur“. Ein Seufzer drang aus der Kehle der jungen Schauspielerin, die ihr Spiegelbild kritisch musterte und ihre Toilette prüfte. Sich die Nase pudernd, die gewöhnlichen Kleider glatt streichend und das lockige Haar zurecht legend huschte die Arkadjewna mit klopfenden Herzen durch die Garderobe zurück auf die Bühne.  Große Schritte brachten die Schauspielerin zurück auf die hell erleuchtete Bühne, auf der weiterhin reges Treiben herrschte. Im ersten Augenblick blendete sie das Licht zu sehr, um in den Saal sehen oder um jemand erkennen zu können, doch es brauchte nicht lange, da machte Michail mit mehr oder minder dezenten Gesten auf sich aufmerksam. Dann erkannte Anna endlich auch den Herren an seiner Seite und es fiel ihr wie Schuppen von den Augen. Dass ihr Stubenmädchen mit Monsieur Charkow niemand anderes als Alexej JEGOREWITSCH Charkow im Sinn hatte kam der Schöngeist nicht in den Sinn. Das naive Mädchen hatte die Schauspielerin mit ihrer Verwechslung völlig durcheinander gebracht. Anna kannte den Mann zwar, jedoch nur sehr flüchtig, jedoch erinnerte sie sich in diesem ersten Augenblick nur noch daran, wie sie bei dem Ein oder anderem Zusammentreffen in Ekstase geraten war. Mit großen Schritten trat sie an die zwei Herren heran. Michail hatte bereits ein breites Grinsen auf den Lippen während der Stolz in seinen großen Augen funkelte. Eine ausladende Geste - die selbst ein Blinder noch bemerken würde – machte auf die Ankunft seiner Muse und erfolgreichsten Schauspielerin aufmerksam. “Darf ich vorstellen: Anna Arkadjewna Ljewin!“Seine Hand an ihren Rücken lehnend schob Michail Anna mit sanften Druck in Richtung des Politikers. Die Dunkelhaarige ließ sich führen und nickte dem Politiker mit leicht hochgezogenen Augenbrauen zu. Der Blick ihrer blitzenden grauen Augen, die unter den dichten Wimpern dunkel schienen, ruhte warm und aufmerksam auf ihm, als sähe sie in ihm einen Bekannten. In ihren Zügen lag ein mühsam verhaltenes und lebhaftes Temperament das sich in dem Zucken ihrer gebogenen Lippen widerspiegelte. Michail stelle Alexej sogleich Anna vor, womit die Floskeln des scheinbar ersten Zusammentreffens abgehackt werden konnten. “Bezaubernd, nicht wahr?“nuschelte der Direktor in seinen kleinen Bart, als wolle er die Arkadjewna verkaufen, wie ein rassiges Pferd. Die Arkadjewna warf dem Direktor einen amüsierten Blick zu während sie nochmals und in aller gebotenen Förmlichkeit den Politiker ihr gegenüber mit einem freudig erregten Lächeln grüßte. Dieser Besuch war äußerst unerwartet und Anna hätte sich eine Vorwarnung gewünscht.“Was verschafft uns diese Ehre?“fragte sie stattdessen mädchenhaft beschwingt mit einer frischen Lebendigkeit und Neugierde im Gesicht.
auld.lang.syne am 27.7.15 20:40


D.ARK W.ALTZ
We are the lucky ones
We shine like a thousand suns
When all of the colour runs together
I'll keep you company
In one glorious harmony
Waltzing with destiny forever

18. März 1881 an einem Mittwochmittag.


'No ne grusten ja, ne petschalen ja, uteschitelna mne sudba moja, ...', der tiefe Klang der männlichen Singstimme hallte in den prächtigen Räumlichkeiten wider, mochte vielleicht als etwas dumpf abgetan werden, musste sie doch allerhand geschlossene Türen durchwandern, denn der Akteur stand auf der Bühne, neben ihm eine kleine Sängerin, deren hohe Stimme sich als wiegende Begleitung, eines zarten Windes gleich, wie Glöckchen ganz sanft zum dunklen Volumen beimengte, es umtänzelte und dem leidenschaftlichen Lied seine traurig anmutende Note nahm, bis sich beide Stimmen im hohen Saal verloren. Ein Geiger im Graben hustete, ein anderer hörte mitten im Lied auf, um mit griesgrämigen Gesicht sein Instrument neu zu stimmen – indes auf der Bühne eine konzentrierte Atmosphäre herrschte, die lediglich darin Anstoß finden konnte, dass die Schauspieler auf ihr in ganz normaler Alltagskleidung standen, flatterte um sie herum das Leben. Komparsen, Bühnenarbeiter und andere liefen geschäftig hin und her, manch anderer wiederum drückte sich direkt am schweren Samt des gewaltigen Vorhangs herum, um sich die Proben von dort aus anzusehen oder seinen Part abzuwarten, während der Blick immer wieder zum kritischen Ausdruck des Regisseurs huschte, der unten in den mittleren Reihen Platz genommen hatte, dort, wo das Publikum sitzen sollte: verdunkelte, unkenntliche Gesichter en masse, während sie hier oben im Licht standen, ihre Rolle spielten und durch das Orchester vom Rest der Welt abgeschirmt waren. Verträumte, junge Mädchen mochten sich ausmalen, dass dort ihr Liebhaber säße – irgendein gutaussehender Offizier oder dergleichen - und zu ihnen hinauf sähe oder aber ein reicher Herr, möglichst gutaussehend, der sie aus der Ferne bewunderte, nur, um ihnen anschließend den Hof zu machen, ein einflussreicher Patron in dieser harten Welt. Auch die männliche Besetzung vermochte es diese Karte für sich auszuspielen. Leider war es jedoch zumeist nur so beschaffen, dass die wirklich einflussreichen und gut betuchten Damen bereits ein gewisses Alter überschritten hatten und sich nach etwas sehnten, das jünger war als der eigene Sohn; aber auch das Bett einer alternden Witwe war ein warmes Nest. 'Ich bin jedoch nicht traurig, ich bin nicht betrübt, mein Schicksal ist tröstlich für mich, ...', das Lied war eine beliebte Weise gedichteter Feder, zu welcher später eine Melodie gefunden worden war. Ob er sich um Anastasia Sorgen machte? Weniger, wenngleich der nagende Gedanke, sie könne sich ebenfalls irgendeinem alten Adligen, der hübschen Mädchen hinterher gierte wie der Teufel hinter der armen Seele, oder einem nichtsnutzigen Offizier, der nicht mehr besaß als sein anziehendes Lächeln und sein Leben, an den Hals werfen, nur, um so etwas wie die große Liebe zu erfahren, denn dass sie tatsächlich daran glaubte, das wusste er. Er selbst war dereinst diesem Irrglauben verfallen gewesen, doch war es sie selbst gewesen, jene – seine - große Liebe, die ihn von ihr kuriert hatte; der Tod persönlich hatte sein Siegel dafür gegeben. Aber Nastja besaß genügend Eigenkapital von Geburtswegen her und musste sich dessentwegen nicht für irgendein Großväterchen verdingen, seine Sorge galt dann doch eher all diesen Weltverbesserern, den Poeten und den Gutmenschen diesseits und jenseits des Urals, denn eine Uniform allein konnte seine Schwester vermutlich nicht reizen. Er kannte sie, sah die ganzen jungen Burschen auf den billigsten Plätzen sitzen – dafür so oft wie möglich -, immerhin besaßen sie nicht genügend Rubel für mehr, aber das reichte ihnen womöglich auch. Die Chance, an einem kulturellen Abend teilzunehmen, egal wie, war zu schön, um stattdessen vielleicht zu sparen, damit sie sich eines Tages einen besseren Zwirn sowie eine bessere Karte würden kaufen können; sie dachten alle nicht weit genug nach – entweder waren sie zu kurzsichtig oder die Damen des Bolschoi zu schön, wenn nicht gar beides zusammen. Auch er selbst, Alexej, hegte eine gewisse Neigung für das Schöne im Leben, um was es sich hierbei handelte entschied er jedoch selbst. Seine jüngere Schwester hatte also nicht länger als sonst dafür aufwenden müssen ihren Bruder bei einem Nachmittagsspaziergang davon zu überzeugen, er möge doch bitte das kommende Stück finanzieren, es könne seiner Karriere zumindest nicht schaden, sondern im Gegenteil, ihm im Volk eine gewisse Zuneigung sichern, denn das Herz der Moskauer war groß und leidenschaftlich; gleichwohl er Moskau nicht mochte, so musste er es trotz alledem gütig stimmen. Noch am nächsten Tag hatte er den Vertrag unterschrieben und zusammen mit Nastja und dem Besitzer des Theaters zu Abend gegessen. Anastasia allein war aber nicht der Beweggrund gewesen, auch nicht sein gesellschaftlicher Status innerhalb der Stadt. Da gab es noch etwas anderes, das ihn interessierte und ihn vermutlich nicht besser machte als all die Erwähnten, die nicht nur der Muse wegen den Weg Richtung Bolschoi einschlugen. Der feine Unterschied bestand jedoch darin, dass er sich nicht nur einen besseren Sitzplatz leisten konnte, sondern das ganze Stück zu kaufen in der Lage war. Nichts passierte, ohne, dass es über seinen Schreibtisch gegangen war, obwohl er nun nicht wirklich das gesamte Werk finanzierte, aber den Gros sponsorte; selbst die Besetzung war eine Sache gewesen, auf welche er hätte Einfluss nehmen können, wenn es er gewollt hätte.Hatte er aber nicht, solange nur sie darin vorkam. Er bezahlte den ganzen Kladderradatsch, sie sang für ihn, er war der Wohltäter, Verbeugungen, Reden halten, so einfach war das. … der Direktor ließ den schimmernden Stoff des wallenden Rocks wieder fallen, den er zur Verdeutlichung hochgehoben hatte, so dass dieser zurück und um die baren Knöchel des zarten Dings fiel, das da erhöht auf einem Schemel stand und eher weniger als mehr bekleidet vor ihnen posieren musste; das hochgesteckte, feine und blonde Haar des Mädchens mit den großen Augen war so hell, dass die rausgerutschten Strähnchen wie Flaum in seinem Nacken lagen (hätte er es berührt, so wäre sie sicher vor Schreck vom Hocker gefallen). Auf der Haut der nackten Oberarme hatte sich eine Gänsehaut gebildet, offenbar fröstelte ihr und Alexej sah von ihr zu der Schneidermeisterin herüber, die hager und düster hinter der Tänzerin stand, als sei sie deren dunkler Schatten. Es war ihm einerlei was die Schauspieler tragen würden, von welcher Machart,Beschaffenheit und Schnitt die Kostüme sein würden, sie konnten seinetwegen auch vollkommen ohne auskommen und wie Adam und Eva auftreten, sofern es der Sache dienlich war – es wäre ihm generell sehr recht, würde man ihn nicht dergleichen in die Entscheidungsgewalt mit einbeziehen, sein Kommen hatte jedoch offenbar ein solches Tohuwabohu verursacht, dass er, der finanzielle Gastgeber, nun seinerseits der Ehrengast an diesem Tage war. Obgleich er nur einen kurzen Abstecher hatte machen wollen, um das Vorankommen zu begutachten, hatte man stattdessen darauf bestanden, dass er auf alles ein Auge warf. Er hatte das Gefühl, dass damit tatsächlich alles gemeint gewesen war, bis zum hintersten Winkel der staubigsten Requisitenkammer. Sein dunkler Blick wanderte kurzzeitig und eher desinteressiert über die 16-Jährige. Ihre hellen Wimpern erzitterten, als sie sich dessen gewahr wurde und sie schlug diese nieder, gerade rechtzeitig, um die Hand zu bemerken, die er ihr anbot: „Bitte“, zwei Silben waren es nur, sein tiefer Timbre kräftig und ausdrucksstark. Die Schneiderin trat schnell hervor, um weitere Erläuterungen vorzunehmen, wurde jedoch noch beim Luftholen unterbrochen, da er ihr abwinkte: „Die Arbeiten sind hervorragend, ich wünsche keine Änderungen und möchte zudem sämtliche Einflussnahme meinerseits ausschlagen, um dem Wirken nicht entgegenzustehen“, die Schneiderin knickste steif, indes die Blonde geschmeidig vom Hocker glitt, ihre schmale Hand in der seinigen wie Weidenzweige seiend und nur wenig Druck ausübend. „Das gilt im Übrigen für alle Bereiche“, fügte er hinzu und erwiderte das schüchterne Lächeln des Mädchens nicht, sah stattdessen zum Direktor und zog anschließend seine Hand zurück. Sie bemerkte seinen Gleichmut ihr gegenüber rasch, schalt sich gedanklich einen Narren, errötete schamhaft und knickste schnell, um daraufhin noch schneller davon und in den nächst stehenden Raum zu huschen. Der Direktor blinzelte, lächelte aber daraufhin seinerseits, offenbar glücklich darüber seiend, dass man ihm nun offiziell die Führung zurückgegeben hatte und er keine Einmischung mehr fürchten musste. Alexej hatte es satt. Noch einen Tüll besetzten Stoff mehr und er brauchte definitiv mehr als nur einen guten Schluck Vodka. „Nun, man findet mich bei Herrn Pechnikov“, und mit diesen Worten wandte er sich zum Gehen. Michail Vladimirowitsch Pechnikov, der Regisseur, schob seine Brille zurecht, als er Schritte vernahm, die sich ihm von hinten näherten. Sie waren zu selbstsicher und zu kräftig – von gutem Schuhwerk zeugend -, um jemandem zu gehören, der es wagte, ihn einfach zu stören. Als er sich umwandte, verharrte er kurz, überlegend, ehe er sich erhob und sich vor dem Politiker verbeugte: „Alexej Jegorewitsch“, sagte er höflich und bot dem Dunkelhaarigen den Platz neben sich an. Der Regisseur hingegen blieb danach stehen und rief nach einem vorbeilaufenden Jungen: „Ich lasse nach Anna Arkadjewna holen“, erläuterte er dem anderen mit einem gewissen Stolz, etwas, was Alexej eine Braue heben ließ. Sie war also doch hier. Er lächelte. Hervorragend.
auld.lang.syne am 27.7.15 20:35


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