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Mädchenhaftes Gekicher begleitete die junge Schauspielerin auf ihrem Weg zur Bühne. Die jungen Statistinnen drückten sich mit vorgehaltener Hand an die kühle Wand des Theaters und stolperten beinahe über ihre kleinen Füße, während sie immer wieder einen Seitenblick auf Anna warfen. Sie fanden schnell Gefallen an ihrer Schönheit und Jugend, und waren schnell dem Zauber der Schauspielerin verfallen. Sie schwärmten für sie, wie nur junge Mädchen für erwachsene und verheiratete Frauen schwärmen konnten. Das die Schauspielerin unverheiratet war tat nichts zur Sache, schließlich wartete ein äußerst anschaulicher Gentleman auf ihre Ankunft. Die Arkadjewna kam ihnen wie eine Dame aus der großen Welt vor, gar nicht wie eine Frau Ende Zwanzig. Sie glich eher einer Zwanzigjährigen, so mädchenhaft und beschwingt war ihre Art sich zu bewegen und so frisch und unmittelbar die Lebendigkeit ihres Gesichts, die sich bald in ihrem Lächeln und bald in ihrem ernsten, zuweilen sogar schwermütigen Blick ihrer Augen spiegelte. Neben ihrem Talent als Schauspielerin, war die Faszination, die sie zuweilen auf ihre Umgebung ausübte, ein ausschlaggebender Grund für ihren Erfolg. Niemand wollte eine talentierte, aber unsympathische Schauspielerin sehen. Glücklicherweise waren der Arkadjewna beide Talente in die Wiege gelegt und so bedarf es keinerlei Anstrengung, die Zuschauer und Gesellschaft für sich zu gewinnen. Sie fuhr sich beim Anblick des Politikers unwillkürlich mit der der Zunge über die geschwungenen Lippen, doch sie zögerte nicht, um sich zu dem Direktor des Theaters und zu seiner Begleitung zu gesellen. In den wenigen Augenblicken, die sie noch von den beiden Herren trennte, tauchten die Bilder eines berauschenden Abends vor ihrem geistigen Auge auf. Der Abend bei den Druchenkows hatte einen für Annas Geschmack äußerst interessante Wendung genommen. Sie folgte an diesem Abend glücklicherweise der Einladung einer guten Freundin und Schwester der Hausdame und war dementsprechend auch ohne Begleitung erschienen. Im Verlauf des Abends führte eines zum anderen. Sie liebten sich, berührten sich und ruhten nach dem Sturm. Tatsächlich brannten die Berührungen des Politikers bei dem Gedanken immer noch heiß auf ihrer Haut und die Arkadjewna kam nicht umhin mit ihren schlanken Fingern über die Spur an ihrer Halsbeuge zu fahren, die seine Lippen ihr hinterließen. Die Dunkelhaarige musste schlucken und sich innerlich ermahnen, verspürte sie bei den aufkommenden Erinnerungen ein wohliges Kribbeln in ihren Lenden. Der Umstand, dass sich der hochgewachsene, dunkelhaarige Mann nach dieser ekstatischen Nacht nicht um ihre Gunst bemüht hatte, kränkte nicht ihre Ehre als Dame, denn glücklicherweise blieb die Schauspielerin von dieser Art von Schwächen des weiblichen Verstandes weitestgehend verschont. Doch kratzte dieser Umstand eher an ihrem Ego, vielleicht sogar mehr, als sie es sich eingestehen wollte, schließlich war sie anderes gewohnt und sie genoss es ungemein, von den feinen Herren der Moskauer Gesellschaft umworben zu werden. Doch letztendlich hatte sie – Ego hin oder her - ebenso wenig Mühe hineingesteckt, Alexej Charkow erneut – zufällig – über den Weg zu laufen. Michail nahm Anna bei der Hand, vorsichtig, um sie nicht kaputt zu machen. “Das ist sie … „sprach er kaum hörbar, ehe er sie formvollendet dem Finacier vorstellte. So konventionell diese Phrase auch sein mochte, die Arkadjewna nahm sie als bare Münze und freute sich darüber. Gerade aufgerichtet stand sie vor Alexej und ihre Augen lächelten, während dieser den Kopf zu einer ihr standesgemäßen Begrüßung neigte. Der geheimnisvolle Mann gab lediglich eine kurze Antwort auf die Frage der Arkadjewna, deren volle, geschwungenen Lippen ein stummes Aahformten. Doch Michail der Direktor nahm es sich nicht, seinem größten Erfolg eine weitaus ausführlichere Antwort zu geben, während er sich die Brille richtete. … er finanziert das nächste Stück, Liebes, Alexej Jegorewitsch hat sich dazu bereit erklärt eine beträchtliche Summe für das Theater aufzubringen“ Anna wandte bei keinem Wort des Direktors den Blick von dem dunkelhaarigen Politiker, dessen strammen und breiten, aber vor allem nackten Rücken sie noch sehr gut in Erinnerung hatte. Erneut erhellte ein Lächeln ihre Züge, und auch hier galt das zutrauliche Lächeln dem großzügigen Sponsor, der Schnörkellosigkeit vorzog. Eine Eigenschaft, die auch der Schauspielerin nicht entgangen war, war ihr kurzes Intermezzo ganz ähnlich verlaufen, was ihr durchaus zusagte. Im Gegensatz zu seinen starren Gesichtszügen,, waren Annas fein geschnittene Züge voller Lebendigkeit, andernfalls hätte sie als Schauspielerin keinerlei Erfolge verbuchen können. Doch die schöne Russin kam nicht umhin bei den Worten ihres geschätzten Direktors die Lippen zu schürzen, hatte sich der Politiker in ihre Welt geschlichen, zumindest finanziell. Dennoch war sie von seiner Gunst abhängig und dieser Umstand missfiel ihr, was sich in einem spöttisch kühlen Blick deutlich machte, der unerträglich zudringlich und herausfordernd auf den ein oder anderen Wirken konnte. Die schwarze Spitze ihres Kleides erbebte unter dem starken und rhythmischen Herzschlag der Lebedame. „Und Sie, haben Sie sich bereits mit dem Stück beschäftigt?“ Die Schauspielerin benetzte erneut ihre Lippen mit der Spitze ihrer Zunge um zu einer Antwort anzusetzen, doch wildes Gebell auf der Bühne hinderte sie daran. “Kitty! Kitty!“Michail trat einige Sprünge zur Bühne, wandte sich auf dem Absatz um und deutete mehrere, hektische, aber nicht weniger entschuldigende Verbeugungen an. “Entschuldigen Sie mich bitte einen – Augen-blick!“. Der Direktor wandte sich erneut um und entschwand, wild gestikulierend, schimpfend und den Hund der armen Kitty jagend in Richtung Bühnenaufgang. Anna beobachtete einen kurzen Augenblick das Schauspiel, löste dann ihre Haarspange, sodass sich ihr langes und dunkles Haar löste und wie schwarzes Öl über ihre schmalen Schultern fiel. “Selbstverständlich habe ich mich bereits mit dem Stück beschäftigt...“sprach sie selbstbewusst, den Kopf leicht schräg legend. “Schließlich soll ich die Hauptrolle spielen.“Ihre Worte waren weniger eine Frage, als eine feste Überzeugung dieser Tatsache, auch wenn dem Freigeist absolut bewusst war, dass die Entscheidung nun nicht mehr allein dem Direktor oblag. “Mir waren die Tragweite Ihres regen Interesses an der theatralischen Kunst nicht bewusst...“sprach sie kokett, die Arme vor ihrer wohlgeformten Brust verschränkend. “Aber ich sollte mich wohl für Ihre Großzügigkeit bedanken. Es ist … fabelhaft!“ sprach sie, theatralisch gestikulierend. Schwierig, als Schauspielerin im Theater die Koketterie der Theatralikvabzulegen.
27.7.15 22:00