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Annas Augen, die grau wie die raue See waren, verengen sich ein klein wenig. War es, weil sie das Licht der Bühne blendete, oder lag es eher daran, dass ihr der überraschende Auftritt des Politikers und kurzzeitigen Liebhabers missfiel, wurde er ihr doch als aktueller Financier des neusten Stücks vorgestellt. Die Schauspielerin kam nicht umhin sich zu fragen, inwieweit es tatsächlich dem Zufall zuzuschreiben war, dass dieser Mann – mit dem sie ungeniert die ein oder andere intime Stunde verbracht hatte, in der sich in erster Linie alles um puren Lustgewinn drehte – nun das Stück, in dem sie mitspielte, finanzieren sollte. Michail war ein guter und talentierter Direktor am Theater. Doch er ließ sich leicht und schnell beeindrucken und ein Mann, wie Alexej Charkow war ungemein beeindruckend. Diese Tatsache und sein Geld, das nun in das neuste Stück fließen sollte, machten ihm zu einem Strippenzieher und das missfiel wiederum der Dunkelhaarigen, konnte sie Einmischung von Außen nicht leiden, was sich wiederrum in einem kurzen Schürzen der fein gebogenen Lippen wiederspiegelte. Doch rasch entspannten sich die ausgeprägten Gesichtszüge wieder und nahmen scheinbar völlig unbeeindruckten Ausdruck an. Die Trennung von Privat- und Berufsleben waren eines ihrer größten Anliegen doch nun wurde Annas Privatleben ihr auf dem Silbertablett vorgetragen. Nein, sie konnte es drehen und wenden wie sie wollte und so Lustbringend die Nächte mit Alexej auch waren, ihn als ihren Financier zu sehen sagte ihr in erster Linie nicht zu. Käme die Liaison zwischen den Beiden an die Öffentlichkeit, so würde es die erfolgreiche und beliebte Schauspielerin durchaus in ein liederliches Licht stellen, weckte es schließlich den Eindruck, sie hätte sich der Zweisamkeit mit Alexej zu ihrem Gunsten hingegeben und sich für ihre Dienste mit einer Spende an das Theater bezahlen lassen. Hätte die Arkadjewna zum Ziel gehabt einen Sponsor zu finden, dann hätte sie ebenso gut auf einen der unzähligen Heiratsanträge eingehen können. Doch eine Heirat oder finanzielle Abhängigkeit kam für sie als Freigeist nicht in Frage und sie hatte erwartet, diesen Umstand durch ihr Verhalten deutlich gemacht zu haben. Sie stand gerne zwischen den Stühlen und war verwundert, wie viele junge Männer sich verliebten und bereit waren für die Angebetete alles hinzuschmeißen. Noch viel es der Arkadjewna also schwer die Vorteile dieser Abmachung zu erkennen, aber auch die Beweggründe des Mannes ließen sie stutzen, hatte er zuvor doch keinerlei Mühe auf sich genommen, sie wiederzusehen. Für einen Moment konnte sich die Schauspielerin von ihren sorgenvollen Gedanken lösen, als Kittys Hündin sich durch ihr lautes Gebell in den Vordergrund und in den Fokus aller Aufmerksamkeit drängte. Sich nach Entspannung sehnend und den Ball der Koketterie zurück an Alexej spielend, löste die Schauspielerin eine silberne Spange aus ihrem Haar, sodass es – beinahe schon theatralisch – über ihre Schultern und Rücken schwang. Mit neugierigem Blick musterte sie den dunkelhaarigen und hochgewachsenen Mann, der standesgemäß einen äußerst gepflegten Eindruck machte. Dass ihm die Schauspielerin in schlichter Kleidung, unfrisiert, nicht gepudert und insgesamt völlig unvorbereitet entgegentreten musste, schüchterte sie jedoch nicht im Geringsten ein. In dem einseitigen Mienenspiel zog der Hochgewachsene nun die Braue hoch, scheinbar verwundert über die Tatsache, dass sich Anna ihrer Rolle als Ljudmila bereits sicher war. Die von neuem geschürzten Lippen zogen sich zu einem spöttischen, als auch koketten Grinsen zusammen. “Selbstredend. Niemand wird Ljudmila so verkörpern, wie ich es tun werde …“Die Arkadjewna räusperte sich merklich bei diesen Worten und benetzte mit ihrer Zungenspitze ihre Lippen. Sie war sich ihrer Sache sicher, natürlich; und um den neuen Financier herumscharwenzeln entsprach nicht ihrem Wesen, musste sie diese Erniedrigung für eine Rolle schließlich auch noch nie über sich ergehen lassen. Doch der feine Herr hüllte sich in ein mysteriöses Schweigen und strich sich, intensiv über die Vorstellung von Anna als Ljudmila nachdenkend, über das markante Kinn. Sie selbst kam nicht umhin bei seinem seltenen Lächeln – dennoch scheinbar ganz nebenbei – mit ihrem Blick über die geschwungenen Lippen des Mannes zu fahren und angenehm amüsiert festzustellen, dass diese Teile ihres Körpers bereits besonders gut kennen gelernt haben. Alexej trat einen Schritt auf die Frau zu, die es zuließ, indem sie selbst nicht auswich und damit sein Näherkommen zuließ. Aufmerksam und neugierig auf das Kommende, musterte sie seine Gesichtszüge im hellen Licht der Bühne, wobei die eine Hälfte des Gesichts im Dunkeln lag. Höflich bat er ihr seinen starken Arm und Anna ging auf diese Geste ohne zu zögern ein, ihren schlanken Arm bei ihm einhackend. Sein Flüstern in ihrem Ohr ließ sie leise die Luft einziehen, und ihren Kopf leicht zur Seite legend, spürte sie seinen heißen Atem auf ihrer nackten Haut. Ob es etwas geändert hätte? “Natürlich!“ bejahte sie mit heller Stimme, in den leeren Theatersaal blickend. “Hätte ich von diesem regem Interesse und der fixen Idee bloß eine Ahnung gehabt, so hätte ich mich nie so weit aus dem Fenster gelehnt.“ sprach sie mit glockenheller Stimme, in der eine gewisse Belanglosigkeit schwang. “So befinde ich mich in einer durchaus prekären Lage.“Die Arkadjewna sprach meistens offen aus, was sie dachte, erkannte sie nicht den Sinn dahinter um den heißen Brei herum zu reden. Sie klang keineswegs erzürnt, doch in ihrer Stimme schwang ein wirklich reges Interesse und vor allem die Frage Was willst du hier? wirklich?". “Wünscht der Herr eine Führung?“ fragte sie, lächelnd Michail zuwinkend um ihn zu zeigen, dass sie alles durchaus im Griff hatte.
27.7.15 22:01